„Kinder, noch eine kleine Weile bin ich bei euch. Ihr werdet mich suchen; und wie ich den Juden sagte, so sage ich auch euch: Wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen, so sage ich jetzt auch euch.“ Und dann anschließend: - „Ein neues Gebot gebe ich euch, das ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Darin werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“

Jesus Christus verbringt seine letzten Tage und Augenblicke mit den Jüngern. Diese hat er, mit der konkreten Absicht zur Verbreitung der guten Nachricht, persönlich zur Nachfolge gerufen. Das Ziel ist gewesen, Menschen für das Reich Gottes zu gewinnen

 

Und er spricht zu ihnen: Folgt mir nach, und ich will euch zu Menschenfischern machen!  Matthäus 4,19

,das Reich Gottes zu bauen und dafür bereit zu sein, bis ans Ende der Welt zu gehen. Bevor ein Abreisender seine Familie und Freunde für eine längere Zeit verlässt, betont er immer wieder wichtige Details, um sicher zu gehen, dass die Familie auch während seiner Abwesenheit in seinem Willen zu handeln weiß.

 

Wir spüren in diesem Text förmlich wie Jesus langsam und fürsorglich seinen Abschied vorbereitet. Er macht seinen Liebsten klar, dass diese ihn nicht begleiten können. Jesus erklärt aber unmissverständlich die Aufgaben für seine Jünger (uns Menschen) während seiner Abwesenheit. Ihr Verhalten untereinander spielt eine besonders große Rolle. Deshalb lautet seine letzte Anweisung in diesem Text:

"Liebt einander. So wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben. Eure Liebe zueinander wird der Welt zeigen, dass ihr meine Jünger seid."

Jesus macht hier klar, dass es nicht darum geht immer furchtlos von ihm predigen zu können, laut zu beten oder Heilung und Wunder zu erleben. Jesus legt den Fokus auf etwas Stilles und Vielsagendes: Auf die Liebe untereinander. Diese Liebe untereinander wird für die Menschen in unserer Umgebung schnell sichtbar. Diesen Beweis der Liebe untereinander kann man nicht vortäuschen oder vorspielen. Glück ausstrahlen, wenn der Andere Lob und Anerkennung erhält, ich aber übersehen werde. Neulich habe ich einen Satz gehört: "Ich finde wenig lobende Worte, wenn jemand anderes gelobt wird." Schon im Alten Testament wird dazu aufgerufen, den Anderen wie sich selbst zu lieben

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst! Lukas 10,27

 Du sollst nicht Rache üben, noch Groll behalten gegen die Kinder deines Volkes, sondern du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Ich bin der Herr. 3. Mose 19,18.

 Jesus Christus hat mit diesem neuen Gebot eine höhere Dimension der Liebe gefordert und vorgelebt: Selbstlose Liebe. Liebe, die meinem Bruder, meiner Schwester, den Vortritt gewehrt. Liebe ist mehr als ein Gefühl oder ein paar gute Worte. Liebe drückt sich am stärksten in der Tat aus. Eine Mutter läuft ohne nachzudenken in ein brennendes, dem Einsturz nahenden Haus. Sie springt ins Wasser, ohne Erfahrung im Schwimmen zu haben.

"So wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben."

Jesus Christus hat sich nicht vor die Tore Jerusalems gesetzt und den Menschen gesagt, wie sehr er sie doch lieben würde. - Jesus Christus begegnete der Witwe in Nain. Dieser Frau bricht die letzte Lebensstütze weg, ihr einziger Sohn stirbt. Jesus schenkt dem Sohn wieder das Leben und macht dieses Liebesgeschenk an die Mutter:

Und es begab sich am folgenden Tag, daß er in eine Stadt namens Nain ging, und mit ihm zogen viele seiner Jünger und eine große Volksmenge. Wie er sich aber dem Stadttor näherte, siehe, da wurde ein Toter herausgetragen, der einzige Sohn seiner Mutter, und sie war eine Witwe; und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie. Und als der Herr sie sah, erbarmte er sich über sie und sprach zu ihr: Weine nicht! Und er trat hinzu und rührte den Sarg an; die Träger aber standen still. Und er sprach: Junger Mann, ich sage dir: Steh auf! Und der Tote setzte sich auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter.  (Lukas 7,11-15).

Oder der blinde Bettler Bartimäus, dieser weint und ruft Christus zu: "Erbarme dich meiner!" Jesus lässt ihn sehend werden

Und sie kommen nach Jericho. Und als er von Jericho auszog samt seinen Jüngern und einer großen Volksmenge, saß ein Sohn des Timäus, Bartimäus der Blinde, am Weg und bettelte.  Und als er hörte, daß es Jesus, der Nazarener war, begann er zu rufen und sprach: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich über mich! Und es geboten ihm viele, er solle schweigen; er aber rief noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich über mich! Und Jesus stand still und ließ ihn [zu sich] rufen. Da riefen sie den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf; er ruft dich! Er aber warf seinen Mantel ab, stand auf und kam zu Jesus. Und Jesus begann und sprach zu ihm: Was willst du, daß ich dir tun soll? Der Blinde sprach zu ihm: Rabbuni, daß ich sehend werde! Da sprach Jesus zu ihm: Geh hin; dein Glaube hat dich gerettet! Und sogleich wurde er sehend und folgte Jesus nach auf dem Weg. (Markus 10,46-52).

Die zehn aussätzigen Männer, alle abgeschnitten von Freunden und Familien. Sie führen ein Leben ohne Hoffnung und Zukunft. Sie bitten auch bei Christus um Erbarmen. Jesus heilt sie alle, ohne Ausnahme (Lukas 17,11-14).

Auch der verhasste Zachäus, unglücklich und einsam, hört die unerwartete Nachricht:

"Komm herunter, ich will heute dein Gast sein. Du bist der Sohn Abrahams, ich will dir Zukunft geben.“ (Lukas 19,1-10)

 Jesus Christus sagt: „Es gibt keine größere Liebe als die, die ihr Leben für einen Freund lassen.“

Apostel Paulus sagt in Römer 5,8:

"Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist."

Gott stellt uns selten auf diese harte Probe. Jesus erwartet aber von uns, sich im Alltag für unsere Brüder und Schwester einzusetzen. Ein Auge auf das Wohl des Anderen zu haben und durch Taten unsere Liebe zu leben.

Oft erwartet man von uns wesentlich weniger. Einen warmen Händedruck, eine echte Umarmung, ein einfaches, ehrliches Wort. Leider ist es zu oft ein flüchtiges, interessantloses „Wie geht es dir?“. Wir erkennen Gleichgültigkeit und Eile. Wie reagiere ich auf die Lebenssituation einer Schwester, die auf dem Arbeitsplatz gemobbt wurde und anschließend die Arbeitsstelle verloren hat, weil sie aufrichtig und nach Christi Prinzipien gehandelt hat? Was denke ich? Wie intensiv bete ich oder was unternehme ich, wenn ein Familienvater seine Arbeitsstelle verloren hat? Wie tief sind der Schmerz und die Sorge in meinem Herzen, wenn ich erfahre, dass in einer Familie aus meiner Gemeinde ein Kind auf die schiefe Bahn gerät?  Wir haben die Möglichkeit und die Verpflichtung uns vor Gott im Gebet zu vereinigen und dem Bruder Mut und Trost auszusprechen.

Was meinst Du? Wie hätte Jesus auf eine dieser Ereignisse reagiert? Bist Du wirklich ein Jünger Christi, der in der Nachfolge steht? Willst Du es beweisen? Willst Du, dass die Menschen es erkennen?

„Wenn ihr Liebe untereinander habt, werden alle erkennen, das ihr meine Jünger seid.“

 Erich Meisner

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